Für Privatpersonen ist es nicht möglich, verschreibungspflichtige Medikamente in den Verkehr zu bringen. Es ist also für Privatpersonen untersagt, verschreibungspflichtige Medikamente per Post an Freunde oder Verwandte zu verschicken. Anders sieht es jedoch mit Nahrungsergänzungsmitteln und nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten aus. Sie dürfen von Privatpersonen verschickt werden. Apotheken und Hersteller von Medikamenten dürfen Medikamente verschicken, müssen allerdings an die geeigneten Transportverpackungen denken. Nur mit einer Erlaubnis der zuständigen Behörde ist der Versand von rezept- und apothekenpflichtigen Medikamenten möglich.
Dürfen Privatpersonen Medikamente verschicken?
Privatpersonen dürfen keine verschreibungs- und apothekenpflichtigen Medikamente in Verkehr bringen und per Post verschicken. Sie verfügen über keine Erlaubnis der zuständigen Behörde. Eine solche Erlaubnis wird an Apotheken und andere Unternehmen vergeben, die mit Medikamenten zu tun haben.
Für Privatpersonen ist es jedoch erlaubt, Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente zu verschicken, die nicht apothekenpflichtig sind. Der Versand kann an andere Privatpersonen erfolgen.
Immer häufiger bestellen Privatpersonen bei Online-Apotheken. Die Auswahl an Online-Apotheken ist groß. Dort können rezeptfreie Medikamente, aber auch Kosmetika, verschiedene Hilfsmittel und rezeptpflichtige Medikamente bestellt werden.
Wer in einer Online-Apotheke bestellen möchte, sollte auf Seriosität achten, um keine Fälschungen zu erhalten. Seriöse Online-Apotheken verfügen über eine Erlaubnis für den Versandhandel und ein in Europa einheitliches Sicherheitslogo.
Besonderheiten beim Versand von Medikamenten per Post
Medikamente benötigen für den Versand per Post eine spezielle Verpackung. Kartons und Faltschachteln können genutzt werden, doch müssen die Versender beim Verpacken die Anforderungen an den Transport von Gesundheitsprodukten beachten. Für Medikamente gelten verschiedene Anforderungen bezüglich Sterilität, Licht und Temperatur. Die Medikamente dürfen keinen zu hohen oder zu niedrigen Temperaturen ausgesetzt werden. Auch Licht kann die Qualität der Medikamente beeinträchtigen.
Für Medikamente müssen pharmazeutische und medizinische Verpackungen genutzt werden, damit Medikamente mit hohen Gesundheitsanforderungen keine Transportschäden erleiden. Wichtig ist auch, dass von diesen Medikamenten keine Gefahr ausgeht, beispielsweise durch Auslaufen. Weiterverkäufer wie Apotheken, aber auch Endnutzer müssen einwandfreie und sichere Ware erhalten.
Damit diese Kriterien gewährleistet werden, gelten verschiedene Richtlinien und Vorschriften.
Inhaber, die über eine Herstellererlaubnis von Arzneimitteln verfügen, müssen die folgenden Richtlinien beachten:
· Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung AMWHV
· EU-GMP-Leitfaden als Praxis bei der Herstellung von Arzneimitteln
Für Betriebe mit Großhandelserlaubnis gelten für den Versand von Arzneimitteln die folgenden Richtlinien:
· Verordnung über den Großhandel und die Arzneimittelvermittlung (Arzneimittelhandelsverordnung)
· GDP-Richtlinie (Good Distribution Practice) als Leitlinien für die gute Vertriebspraxis von Humanarzneimitteln
Die GDP-Richtlinie ist wichtig für den Versand und den Transport von Medizinprodukten. Sie regelt den Vertrieb von Arzneimitteln. Die darin enthaltenen Anweisungen gelten auch für die Veterinärmedizin.
Anforderungen an Transportverpackungen und Versand von Medikamenten laut GDP-Leitlinie
Die GDP-Leitlinie regelt insbesondere in den Kapiteln 5 und 9, was beim Versand von Medikamenten und bei der Logistik zu beachten ist.
Während des Transports von Medikamenten müssen die Sicherheit und Unversehrtheit gewährleistet sein, damit die Produkte ihre Qualität behalten und die Wirksamkeit nicht beeinträchtigt wird. Inhaber einer Großhandelserlaubnis tragen die Verantwortung und müssen dafür sorgen, dass die Medikamente auf dem Transportweg vor Bruch, Beeinträchtigung und Diebstahl geschützt sind. Die Verpackungen der Medikamente dürfen nicht unerlaubt geöffnet werden.
Während des gesamten Transports müssen die Temperaturen in einem akzeptablen Bereich bleiben. Der Lieferant muss die geeignete Transportmethode mit Fahrzeug, Ausrüstung und Zwischenlagerung wählen, um nachzuweisen, dass die Medikamente keinen Bedingungen ausgesetzt werden, die ihre Unversehrtheit oder Qualität beeinträchtigen können.
Vorbereitung der Medikamente für den Versand
Für Medikamente muss die geeignete Verpackung gewählt werden. Handelt es sich um Nahrungsergänzungsmittel und andere Produkte, die nicht apothekenpflichtig sind, ist es zumeist leicht, die geeignete Verpackung zu finden. Die Verpackung muss stabil sein, sodass die Medikamente vor Transportschäden geschützt sind. Mit Luftpolsterfolie können Nahrungsergänzungsmittel in Flaschen vor Bruch und Stößen geschützt werden. Der Karton muss sicher mit Klebeband verschlossen werden.
Höhere Anforderungen gelten, wenn es sich um hochwirksame, hochwertige und teure Medikamente handelt, die rezeptpflichtig sind. Die Wahl der geeigneten Verpackung ist abhängig von den geltenden Vorschriften. Zusätzlich kommt es auf die Kennzeichnung der Verpackung an, damit die Medikamente beim Transport sorgfältig behandelt werden.
Die Pharmaindustrie stellt hohe Anforderungen an die hygienische Sauberkeit. Das trifft bereits in der Phase der Kommissionierung zu:
· Im Kommissionierlager können bei der Vorbereitung der Medikamente für den Versand und während des Verpackungsprozesses Chemikalienhandschuhe oder Einweghandschuhe getragen werden. Die Handschuhe schützen die Medikamente, aber auch die Personen, die damit arbeiten.
· Für die Mitarbeiter, die mit der Kommissionierung beschäftigt sind, müssen Desinfektionsmittel bereitgestellt werden.
· Zur Reinigung von Oberflächen, die mit medizinischen Produkten in Berührung kommen, sollten antiseptische Tücher genutzt werden.
· Mitarbeiter, die mit der Kommissionierung beschäftigt sind, sollten, um Verunreinigungen der Medikamente zu vermeiden, eine Haube, einen Kittel oder einen Bartschutz tragen.
· Um bei der Arbeit mit den Medikamenten Gesundheitsrisiken zu vermeiden, sollten Sicherheitskennzeichnungen vorgenommen werden. Die Medikamente können mit giftig, ätzend oder anderweitig toxikologisch bedenklich gekennzeichnet werden. Um Sicherheitsabstände einhalten, sind Bodenmarkierungen sinnvoll.
Eindeutige Kennzeichnung und Sicherung von Medikamenten
Beim Versand von Medikamenten kommt es auf Sicherheit an. Die Verpackung muss manipulationssicher sein. Mit verschiedenen Kennzeichnungen ist erkennbar, ob die Verpackung beim Transport manipuliert wurde. Originalitätskennzeichnungen können auf die Lasche des Kartons geklebt werden. Mit speziellen Schraubverschlüssen ist feststellbar, ob eine Verpackung bereits geöffnet wurde. Behälter können mit Sicherheitsetiketten versiegelt oder mit nummerierten Plomben verschlossen werden.
Die Verpackung muss beschriftbar sein, damit ersichtlich ist, was sich darin befindet. Die Verpackung kann auch mit einem Etikett versehen werden, aus dem hervorgeht, worum es sich beim Inhalt handelt.
Kartons können beim Versand von Medikamenten nicht nur mit Klebeband verschlossen werden. Nassklebeband ist nicht rückstandslos abziehbar. So ist erkennbar, ob das Paket geöffnet wurde. Zusätzlich können Umreifungsbänder verwendet werden, die vor unerlaubtem Öffnen schützen.
Eine eindeutige Kennzeichnung ist auch bei der Lieferung von Medikamenten erforderlich. In Kapitel 5 der GDP ist geregelt, dass für Medizin-Lieferungen ein Dokument erforderlich ist, das die folgenden Informationen enthält:
· Name und pharmazeutische Form des Medikaments
· Datum
· Chargennummer des Medikaments, vorgeschrieben bei Arzneimitteln mit Sicherheitsmerkmalen
· Name und Anschrift des Lieferanten
· gelieferte Menge
· Name und Lieferanschrift des Empfängers
· eventuell erforderliche Transport- und Lagerbedingungen
Der tatsächliche Lagerort des Produkts muss jederzeit erkennbar sein.
Geeignete Verpackungen für Medikamente
Abhängig von der Art der Medikamente müssen die geeigneten Verpackungen gewählt werden. Bei den Verpackungen kommt es auf das Material an, damit Sicherheit gewährleistet ist.
Kunststoff, darunter High Density Polyethylen (HDPE) als Polyethylen mit einer hohen Dichte, ist unempfindlich gegenüber Chemikalien und anderen Flüssigkeiten. Es eignet sich, um Pulver oder Flüssigkeiten zu verpacken und zu transportieren.
Chemikalien in Form von Pasten, Gelen oder Pulvern können in Sicherheitsflaschen aus Kunststoff gelagert und transportiert werden. Solche Sicherheitsflaschen verfügen über einen manipulationssicheren Schraubverschluss, damit die Sicherheit gewährleistet ist. Flaschen aus HDPE sind dicht und stabil.
Für feste, pulverförmige und pastöse Produkte eignen sich Kunststoffkanister mit großer Öffnung. Mit einem aufgeschraubten Deckel wird der Kanister flüssigkeits- und luftdicht. Der Inhalt kann mit Gefahrgutaufklebern und individuellen Etiketten gekennzeichnet werden.
Toxische oder sterile Medikamente können in verschweißten Folienbeuteln transportiert werden. Solche Verpackungen garantieren die Sterilität des Produkts während des Transports. Das gilt nicht nur für Arzneimittel, sondern auch für Hilfsmittel wie medizinisches Besteck, mit dem die Medikamente injiziert werden. Dabei dürfen keine Fremdpartikel vorhanden sein. Auch Proben oder menschliches Gewebe dürfen nicht mit Fremdpartikeln verunreinigt werden.
Verpackungen für die Kühlkette
Häufig müssen Medikamente vor Temperaturschwankungen geschützt werden. Sie müssen daher dauerhaft kühl gelagert werden. Bei der Lagerung darf eine bestimmte Temperatur nicht überschritten werden, da die Wirkung der Medikamente beeinträchtigt werden kann. Während des gesamten Transports müssen die Temperaturbedingungen eingehalten werden. Dafür können Thermobeutel, Kühlakkus, Thermoboxen oder temperaturgesteuerte Transportbehälter genutzt werden.
Bei der Verwendung von Kühlakkus ist wichtig, dass in der Versandverpackung keine Feuchtigkeit und kein Gefrierbrand entstehen. Die Medikamente müssen vor Nässe geschützt werden. Daher kommt es auf einen guten Feuchtigkeitsschutz an.
Soll nur eine bestimmte Raumtemperatur gehalten werden, genügt mitunter isolierende Luftpolsterfolie als Umverpackung für die Medikamente. Papierpolster schützen im Sommer vor dem Überhitzen des Pakets und eignen sich, um Hohlräume auszufüllen.
Temperaturüberwachungssysteme können genutzt werden, um sicherzustellen, dass die Medikamente während des gesamten Transports in einem geeigneten Temperaturbereich bleiben.
Wann Gefahrgutverpackungen erforderlich sind
Nicht immer sind Medikamente Gefahrgut. Sie unterliegen dem Arzneimittelgesetz und dem Medizinproduktegesetz. Für Gefahrstoffe gilt die Gefahrstoffverordnung. Handelt es sich bei den Medikamenten um Gefahrstoffe, muss das Paket gesichert und vor dem Versand mit der entsprechenden Gefahrgutklasse gekennzeichnet werden.
Eine Gefahrgutkennzeichnung ist wichtig, wenn die Medikamente leicht entzündlich, ätzend, toxisch oder radioaktiv sind. Potenziell ansteckende oder giftige Proben können für Menschen und Tiere gefährlich sein und fallen unter die Gefahrgutklasse 6. Besondere Vorsicht gilt für einige Medikamente wie Zytostatika. Bereits kleinere Verstöße gegen die Gefahrstoffverordnung können mit einem Bußgeld geahndet werden.
Polsterung für empfindliche medizinische Produkte
Damit medizinische Produkte unbeschadet beim Empfänger ankommen, sollten sie gut gepolstert werden. So werden sie vor Druck und Stößen geschützt. In der GDP-Richtlinie ist geregelt, dass die Unversehrtheit der Produkte gewährleistet werden muss. Werden mehrere Produkte zusammen verschickt, ist die Polsterung unerlässlich. Unempfindlicher sind Medikamente in Blisterverpackungen, da sie bereits über eine Umverpackung verfügen. Medikamente in Flaschen und Glastiegeln, aber auch zerbrechliches Medizinbesteck sind deutlich empfindlicher und müssen mit Luftpolsterfolie, Wellpappschutz oder Packpapier umhüllt werden. Auch eine flexible Hohlraumfüllung mit Verpackungschips ist geeignet.
Müssen Medikamente oder Proben gekühlt verschickt werden, sollte zusätzlich zur Isolierbox oder zu den Kühlakkus ein Feuchtigkeits- und Korrosionsschutz verwendet werden. So kommen die Medikamente nicht mit Feuchtigkeit in Berührung. Die Behälter können nicht korrodieren. Aufsaugmaterial eignet sich für flüssiges Gefahrgut und bietet zusätzlich eine gute Polsterung.
Wahl des geeigneten Versanddienstes
Nicht bei jedem Versanddienst ist der Versand von Medikamenten möglich, denn auch die Versanddienste müssen die GDP-Richtlinien einhalten. Das ist insbesondere wichtig, wenn es um die Aufrechterhaltung von Kühlketten ankommt. Einige Versanddienste haben sich zum Medizinischen Kühlversand verpflichtet und nehmen den Versand unter den dedizierten GDP-Richtlinien vor.
Für Medikamente, die dringend benötigt werden, und für verderbliche Medikamente kann der Expressversand gewählt werden. Innerhalb kurzer Zeit treffen die Medikamente beim Empfänger ein. Direct-to-Patient-Optionen sind auf den Endkunden abgestimmt. Die Medikamente werden direkt an den Patienten geliefert.
Medikamente können mit UPS Healthcare verschickt werden. Damit ist auch der internationale Versand unter Einhaltung der Regelungen möglich.
DHL als Versanddienst der Deutschen Post bietet den Service DHL Medical Express an, mit dem die Medikamente schnell am Bestimmungsort ankommen. Mit dem Earliest Delivery Concept ist die frühestmögliche Zustellung gewährleistet. Um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, ist die Sendungsüberwachung im Preis enthalten. Optional bietet DHL temperaturgeführte Verpackungen an. Die Abholung am Samstag kann als Zusatzleistung gebucht werden.
Alternativ dazu gibt es auch verschiedene Kurierdienste, die sich auf den schnellen Transport von Medikamenten spezialisiert haben.


