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Lexikon

Individualverpackung

Individualverpackung bezeichnet eine Verpackung, die für ein bestimmtes Produkt oder einen bestimmten Absender gefertigt wird, entweder im Maß, in der Gestaltung oder in beidem. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen individuelle Verpackung, Sonderanfertigung und Verpackung nach Maß.

Was eine Individualverpackung ausmacht

Eine Individualverpackung entsteht im Auftrag des Kunden. Der Zuschnitt wird erst nach der Bestellung gestanzt, das Druckbild erst nach der Datenfreigabe gedruckt. Daraus ergeben sich die beiden Eigenschaften, die diese Verpackungsart von Lagerware unterscheiden: ein Vorlauf bis zur Lieferung und eine Mindestmenge je Fertigungsauftrag.

Die Begriffe individuelle Kartons, Sonderanfertigung Karton, maßgefertigte Verpackung und Kartons nach Maß bezeichnen denselben Sachverhalt. Gemeint ist eine Verpackung, deren Maße, Konstruktion oder Bedruckung ein Kunde festlegt. Der Werkstoff ist meist ein- oder zweiwellige Wellpappe, bei kleinen Verkaufsverpackungen auch Vollpappe.

Abgrenzung zur Standardverpackung aus dem Lager

Eine Standardverpackung ist ein Lagerartikel in einem festen Größenraster. Sie wird in großen Serien im Voraus gefertigt, ist kurzfristig lieferbar und zieht keine einmaligen Werkzeugkosten nach sich. Der Stückpreis liegt deshalb bei kleinen Abnahmemengen deutlich unter dem einer Sonderanfertigung. Das Größenraster folgt jedoch der Produktion des Herstellers und trifft die Abmessungen eines konkreten Produkts nur selten genau. Zurück bleiben Hohlräume, die mit Polster- oder Füllmaterial ausgeglichen werden müssen.

Bei einer Individualverpackung ist die Reihenfolge umgekehrt. Zuerst werden Produkt, Gewicht und Transportweg erfasst, danach wird die Verpackung konstruiert. Passgenauigkeit und Gestaltungsfreiheit sind dabei gegen Vorlauf und Mindestauflage abzuwägen. Welche Variante wirtschaftlicher ist, hängt von der Stückzahl, vom Wert des Produkts und vom Versandvolumen ab.

Die beiden Ebenen: Maßanfertigung und Veredelung

Individualisierung findet auf zwei unabhängigen Ebenen statt, die sich einzeln oder gemeinsam beauftragen lassen.

Maßanfertigung: Die Innenmaße richten sich nach dem Packgut, üblicherweise mit einem festgelegten Spiel für Polsterung und Handhabung. Festgelegt werden außerdem die Bauform, die Wellenart und die Wellpappenqualität sowie eine mögliche Inneneinrichtung aus Gefachen, Stegen oder Einlagen.

Veredelung: Hier geht es um das Erscheinungsbild und um funktionale Zusätze. Dazu gehören ein- oder mehrfarbiger Druck, durchgefärbte oder vollflächig bedruckte Außenseiten und Sonderformen mit gestanzten Konturen. Hinzu kommen Grifflöcher, Sichtfenster, Aufreißfäden und Selbstklebeverschlüsse.

Für eine belastbare Anfrage werden in der Regel die folgenden Angaben benötigt.

  • Innenmaß: Länge, Breite und Höhe in Millimetern, jeweils als Innenmaß der fertigen Verpackung.
  • Packgut: Gewicht, Empfindlichkeit und Stapelbarkeit, daraus leitet sich die Wellpappenqualität ab.
  • Versandweg: Paketversand, Speditionsversand oder Auslandsversand, davon hängen die Anforderungen an Stabilität und Format ab.
  • Bauform: gewünschter FEFCO-Grundtyp oder eine Beschreibung des Verschlusses.
  • Druckbild: Vektordatei mit dem Motiv, Anzahl der Druckfarben und Farbdefinition.
  • Auflage: Erstmenge und geschätzter Jahresbedarf, beides beeinflusst den Stückpreis.

FEFCO-Grundtypen als Ausgangspunkt

Eine Sonderanfertigung beginnt selten bei null. Meist dient ein genormter Grundtyp aus dem Katalog des Europäischen Verbands der Wellpappenhersteller als Vorlage und wird in den Maßen angepasst. Die vierstellige Kennziffer des FEFCO-Codes beschreibt Zuschnitt, Faltung und Verschluss eindeutig und verringert Rückfragen zwischen Auftraggeber und Hersteller.

Als Ausgangspunkt dienen vor allem diese Bauformen:

  • FEFCO 0201: klassische Faltkiste, deren Boden- und Deckelklappen mittig zusammenstoßen, häufigster Ausgangstyp für Versandkartons nach Maß.
  • FEFCO 0203: Faltkiste mit vollüberlappenden Klappen, die eine doppelte Lage an Boden und Deckel bildet und schwerere Güter aufnimmt.
  • FEFCO 0426: Groß- und Maxibriefkarton mit Steckverschluss und Krempelrand, geeignet für flache Sendungen.
  • FEFCO 0304 und 0306: Stülpdeckelkartons aus Unterteil und Deckel, sofern die Verpackung zugleich zur Präsentation eingesetzt wird.
  • FEFCO 0701 und 0703: fertig geklebte Bauformen mit Automatikboden, die Grundlage der Automatikkartons.
  • Grundtyp 09: Inneneinrichtungen wie Gefache, Stege und Einlagen, die das Produkt im Karton fixieren.

Die Konstruktion wird durch die Bauform beschrieben. Die Eigenschaften des Werkstoffs werden über Prüfverfahren und Kennwerte erfasst, die in Normen festgelegt sind. Welche Vorgaben eine DIN-Norm dabei macht, erläutert der zugehörige Lexikoneintrag.

Füllmaterial und Volumengewicht als Gegenrechnung

Der wirtschaftliche Vorteil einer Maßanfertigung zeigt sich vor allem bei den Folgekosten des Versands. Eine passgenaue Verpackung lässt kaum Hohlräume, wodurch der Bedarf an Polster- und Füllmaterial sinkt und der Packvorgang kürzer ausfällt. Zugleich verringert sich das Versandvolumen, was auf das Volumengewicht wirkt.

Das Volumengewicht ergibt sich aus Länge, Breite und Höhe der Sendung, geteilt durch einen Divisor des Dienstleisters. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Effekt. Ein Standardkarton mit den Außenmaßen 40 × 30 × 20 cm ergibt 24.000 cm³. Bei einem Divisor von 5.000 entspricht das einem Volumengewicht von 4,8 kg. Eine auf dasselbe Produkt zugeschnittene Verpackung mit 34 × 24 × 12 cm kommt auf 9.792 cm³ und damit auf rund 1,96 kg. Im Expressgeschäft und im Auslandsversand kann dieser Unterschied zu einer anderen Tarifstufe führen.

Ein zweiter Effekt betrifft das Lager. Eine maßgefertigte Variante ersetzt mehrere nur annähernd passende Größen und verringert die Zahl der vorgehaltenen Artikel. Dem steht eine höhere Kapitalbindung entgegen, weil die Auflage vollständig abgenommen wird.

Mindestauflage, Werkzeug- und Klischeekosten

Die Wirtschaftlichkeit einer Individualverpackung entscheidet sich an den einmaligen Kosten, die vor der ersten Verpackung anfallen. Sie verteilen sich auf die bestellte Menge und bestimmen den Stückpreis maßgeblich mit.

  • Stanzwerkzeug: Für einen gestanzten Zuschnitt wird eine Stanzform angefertigt, in der Messer und Rilllinien der Kontur folgen. Die Kosten fallen einmal je Bauform und Maß an. Gerillte und geschlitzte Bauformen wie FEFCO 0201 kommen bei vielen Herstellern ohne eigenes Werkzeug aus.
  • Klischee: Im Flexodruck wird je Druckfarbe eine eigene Druckform benötigt. Ein vierfarbiges Motiv erfordert entsprechend vier Klischees. Eine Änderung am Motiv macht neue Klischees erforderlich.
  • Rüstkosten: Bei jedem Produktionslauf fällt das Einrichten von Stanze und Druckwerk an, unabhängig von der Stückzahl.
  • Mustererstellung: Ein Handmuster oder ein auf dem Plotter gefertigtes Muster wird häufig separat berechnet.

Aus dieser Kostenstruktur folgt die Mindestauflage. Je niedriger die Stückzahl, desto deutlicher wirken sich Werkzeug, Klischee und Rüstzeit auf den einzelnen Karton aus. Die konkrete Untergrenze hängt von Hersteller, Format und Druckverfahren ab. Im Digitaldruck entfallen die Klischees, wodurch sich auch kleine Auflagen abbilden lassen. Der laufende Stückpreis liegt dabei über dem des Flexodrucks.

Wann sich eine Individualverpackung eignet

  • Wiederkehrende Mengen: Ein gleichbleibendes Produkt in regelmäßiger Stückzahl verteilt die einmaligen Kosten über die Auflage.
  • Ungewöhnliche Geometrie: Sehr lange, sehr flache oder unregelmäßig geformte Artikel finden im Standardraster oft keine passende Größe.
  • Hoher Füllmaterialbedarf: Werden je Sendung große Hohlräume ausgepolstert, rechnet sich eine engere Verpackung über das eingesparte Material.
  • Empfindliche Ware: Gefache und Einlagen halten das Produkt in Position und verringern die Zahl der Transportschäden.
  • Markenauftritt: Ein bedruckter Karton überträgt Logo und Farbgebung auf die Sendung und ersetzt den nachträglichen Aufkleber.

Bei kleinen, schwankenden Mengen, wechselnden Produktmaßen und kurzfristigem Bedarf bleibt die Standardverpackung die praktikablere Wahl. In vielen Betrieben bestehen beide Wege parallel: Serienartikel laufen in der Maßanfertigung, Einzelstücke und Bedarfsspitzen im Standardkarton.

Von der Anfrage bis zur Serie

  • 1Anfrage: Produktmaße, Gewicht, Versandweg und geplante Stückzahl werden übermittelt, häufig ergänzt um ein Foto oder ein Muster des Produkts.
  • 2Konstruktion und Angebot: Der Hersteller schlägt Bauform, Qualität und Maße vor und kalkuliert Werkzeug, Klischee und Stückpreis für eine oder mehrere Auflagen.
  • 3Muster: Ein Handmuster oder Plottermuster wird hergestellt und mit dem echten Produkt befüllt. Geprüft werden Passform, Verschluss und Stapelverhalten.
  • 4Druckdaten und Freigabe: Das Motiv wird auf den Stanzkonturplan montiert. Mit der Druckfreigabe wird der Stand verbindlich.
  • 5Werkzeugbau und Produktion: Gegebenenfalls entstehen Stanzform und Klischees, anschließend läuft die Serie.
  • 6Lieferung: Die Verpackungen werden flachliegend auf Paletten angeliefert und beim Kunden eingelagert.

Lieferzeiten und Planung

Eine verbindliche Lieferzeit nennt erst das Angebot. Auflage, Bauform, Anzahl der Druckfarben und die Verfügbarkeit der Wellpappenqualität wirken dabei zusammen. Ein erheblicher Teil des Vorlaufs entfällt dabei auf Musterprüfung und Druckfreigabe, der sich durch vollständige Angaben in der Anfrage und fertige Druckdaten verkürzen lässt.

Der Erstauftrag benötigt deshalb mehr Zeit als eine Nachbestellung, bei der Werkzeug und Druckformen vorliegen. Für die Beschaffungsplanung bedeutet das, den Meldebestand an die Wiederbeschaffungszeit anzupassen und Bedarfsspitzen mit Standardkartons aufzufangen.

Passende Produkte

Klingele24 führt neben dem sofort verfügbaren Standardsortiment an Kartons und Faltschachteln auch Sonderanfertigungen auf Anfrage. Die Kategorie Kartons nach Maß beschreibt die Fertigung nach individuellen Vorgaben und führt über ein Anfrageformular. Feste Mindestmengen, Preise und Termine führt die Seite nicht auf. Als zusätzlicher Kontaktweg ist dort die Telefonnummer 06474 88 22 0 angegeben.

Für die zweite Ebene der Individualisierung steht die Kategorie Karton bedrucken. Diese Kategorie deckt Logo, Slogan und vollflächige Motive ab und nennt als Verfahren den CMYK-Druck sowie den Digitaldruck. Verpackungen für den Handel und den Point of Sale sind unter Verkaufsverpackungen bedrucken zusammengefasst, darunter Faltschachteln, Displays, Trays und Serviceverpackungen. Gefertigt werden sie dort ebenfalls nach Kundenvorgaben.

Kartons nach Maß ansehen

Häufige Fragen zur Individualverpackung

Ein Standardkarton kommt aus einem festen Größenraster und ist als Lagerware kurzfristig lieferbar. Eine Individualverpackung wird für ein bestimmtes Produkt gefertigt, im Maß, in der Gestaltung oder in beidem. Dafür fallen ein Vorlauf bis zur Lieferung und eine Mindestmenge je Auftrag an.
Die Schwelle ergibt sich aus den einmaligen Kosten für Stanzwerkzeug, Klischees und Rüstzeit, geteilt durch die Auflage. Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, weil Format, Bauform und Druckverfahren die Rechnung verändern. Eine Kalkulation über mehrere Auflagenstufen macht die Untergrenze für den konkreten Fall sichtbar.
Ein Klischee ist die Druckform einer einzelnen Farbe im Flexodruck. Ein vierfarbiges Motiv benötigt vier davon. Die Kosten fallen einmalig je Motiv und Farbe an und werden im Angebot beziffert, weil sie von Motivgröße und Verfahren abhängen. Im Digitaldruck entfallen Klischees vollständig.
Der Hersteller benötigt das Innenmaß in Länge, Breite und Höhe, das Packgut mit Gewicht, Empfindlichkeit und Stapelbarkeit sowie den Versandweg. Dazu kommen die Bauform als FEFCO-Grundtyp oder als Beschreibung des Verschlusses und die Auflage aus Erstmenge und geschätztem Jahresbedarf. Bei einer bedruckten Ausführung ergänzt das Druckbild diese Liste, also das Motiv als Vektordatei, die Anzahl der Druckfarben und die Farbdefinition.
Ein geringeres Versandvolumen wirkt über das Volumengewicht auf den Tarif, sofern der Dienstleister danach abrechnet. Das ist vor allem im Express-, Geschäftskunden- und Auslandsgeschäft der Fall. Dazu kommt die Einsparung beim Füll- und Polstermaterial, die unabhängig vom Tarif entsteht.
Die Dauer richtet sich nach Auflage, Bauform, Anzahl der Druckfarben und Materialverfügbarkeit und wird deshalb erst im Angebot verbindlich genannt. Ein spürbarer Teil des Vorlaufs entfällt auf Musterprüfung und Druckfreigabe. Nachbestellungen gehen schneller, weil Stanzwerkzeug und Klischees bereits vorliegen.